Geschichte
Die Anfänge
Die Geschichte der Mathematik an der Universität Wien reicht bis 1365, dem Gründungsjahr unserer Universität, zurück. Als Teil der Ausbildung an der Artistischen Fakultät war Mathematik von Anfang an ein fester Bestandteil des universitären Lebens.
Schon früh gab es herausragende Forscher*innen und Lehrende, unter ihnen Johann von Gmunden, Georg von Peuerbach und der vielleicht führende Mathematiker seiner Zeit: Johannes Müller von Königsberg, Regiomontanus. Seine trigonometrischen Tafeln begleiteten Christoph Columbus auf seiner ersten Fahrt in die "neue Welt".
Regiomontanus
Renaissance
Während der Renaissance waren die wichtigsten Mathematiker Wiens der Humanist Conrad Celtis, der "mathematisierende Poet" Johann Stabius, der die erste flächentreue Karte (in Herzform) entwarf, und Paul Fabricius, einer der bedeutendsten Universalgelehrten seiner Zeit.
Ab 1623 übernahmen die Jesuiten die mittlerweile umbenannte Philosophische Fakultät – die Mathematik stagnierte. Erst nach dessen Auflösung 150 Jahre später erfolgte langsam ein Aufschwung:
Georg von Vega, schrieb sein 80 mal aufgelegtes logarithmisch-trigonometrisches Handbuch und Joseph Petzval, Professor für Mathematik, Mechanik und Geometrie, konstruierte das erste Porträtobjektiv der Welt.
Johannes Stabius
Spätes 19. und frühes 20. Jahrhundert: Höhepunkt der Wiener Mathematik
Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts wuchs die Anzahl der Mathematikprofessoren an der Universität auf drei an. Zu dieser Zeit gründete Professor Ludwig Boltzmann auch das Mathematische Seminar (1876) – den Vorläufer des Instituts für Mathematik. 1890 gründeten Gustav von Escherich und Emil Weyr außerdem die “Monatshefte für Mathematik und Physik”, seit 1947 “Monatshefte für Mathematik”.
Die Mathematik an der Uni Wien erlebte ihre Blütezeit im frühen 20. Jahrhundert unter den vier Professoren Franz Mertens, Wilhelm Wirtinger, Philipp Furtwängler und Hans Hahn.
Es war die Zeit namhafter Student*innen und Dozenten: Franz Alt, Kurt Gödel, Wolfgang Gröbner, Eduard Helly, Gustav Herglotz, Witold Hurewicz, Walther Mayer, Karl Menger, Johann Radon, Kurt Reidemeister, Otto Schreier, Gabor Szegö, Alfred Tauber, Olga Taussky-Todd, Heinrich Tietze, Abraham Wald und Leopold Vietoris forschten und lehrten alle am Institut für Mathematik.
Kurt Gödel
Austrofaschismus und Nationalsozialismus
Mit der Machtübernahme der Vaterländischen Front fand die goldene Ära ihr jähes Ende: Frei gewordene Professuren wurden nicht nachbesetzt oder an systemtreue Personen vergeben, die auch mit dem nachfolgenden NS-Regime wenig Probleme hatten. Darüber hinaus flohen viele der oben Genannten vor Kriegsbeginn aus Österreich.
Nachkriegszeit
Ein Jahr nach Kriegsende wurde eine politische Entscheidung korrigiert, als der vorher nicht genehme Johann Radon als Professor berufen wurde. Gemeinsam mit seinem Assistenten Leopold Schmetterer, Edmund Hlawka und Wolfang Schmidt stellte er das Institut auf neue Beine.
Johann Radon
Gründung der Fakultät
In den 1990ern öffnete sich das Institut für Mathematik gegenüber zuvor wenig vertretenen Gebieten und setzte neue Impulse in Forschung und Lehre. Die Folge waren international anerkannte Arbeitsgruppen und deren Etablierung in der europäischen Spitze.
2004 wurde die Universität Wien neu organisiert; aus acht Fakultäten wurden 15. Die damaligen Institute für Mathematik und formale Logik wurden zur Fakultät für Mathematik.
Frauen* an der Fakultät
Erfahren Sie mehr über die Geschichte der Frauen* an unserer Fakultät auf der Seite "Women in Science".